DURCH DIESE HOHLE GASSE

Die Kellergröppe in Raab

Alle Wege führen zum Bier. Was aufs Erste ein wenig platt klingt, hat in Raab seine Berechtigung. Noch heute erinnert eine beeindruckende Kellergasse, im Volksmund Kellergröppe genannt, an die ruhmreiche Vergangenheit der Innviertler Gemeinde in Sachen Bier. Und die Zukunft hat gerade erst begonnen.



32 Grad im Schatten und erstklassiges Biergartenwetter. Höchste Zeit, die Weste überzustreifen, denn wärmer wird’s nicht. Als Franz Wetzlmaier die massive Holztür aufdrückt, entweicht ein Schwall kühler Kellerluft und lässt die Umstehenden frösteln. „Eiskeller“ steht auf einem Schild neben der Eingangstür. 
 
Trotzdem nicht die schlechteste Idee, hier abzutauchen, während der Rest der Welt sich die Seele aus dem Leib schwitzt. Beschattet von hochgewachsenen Bäumen und zwischen den steil aufragenden Wänden der „Enzenkirchener Sande“ könnte man hier vermutlich die Zeiten überdauern, ganz sicher aber die Hundstage im Juli.
 
„Nur weiter“, sagt Franz Wetzlmaier und lotst die kleine Gruppe noch tiefer in den Keller. Na Servus, jetzt wird’s doch ein bisserl sehr kalt, „knapp über dem Gefrierpunkt“ vermutet eine der Teilnehmerinnen an der Kellerführung. „Nicht ganz“, klärt Wetzlmaier auf, „wir haben hier um die sieben Grad.“
 
Was sich jedoch schnell ändern würde, würde man den Keller noch so nutzen wie bis in die 1920er Jahre geschehen. Damals schleppte man im Winter Eis, das zuvor aus Weihern und Teichen geschlagen wurde, in den Keller und stapelte es dort bis zur Decke. Zwischen die einzelnen Lagen kamen Holzpflöcke und Strohschichten, die verhindern sollten, dass das Eis zu einem einzigen großen Block gefriert. Freilich: Bei gerade einmal null Grad, die es bei voller Beladung dort unten hatte, war die Gefahr nicht so groß …
 
Doch wozu der ganze Aufwand? „Vom Eiskeller brachten Fuhrwerke das Eis gemeinsam mit dem Bier zum Wirt, oft frühmorgens oder in der Nacht. Eismaschinen oder Kühlräume gab es ja noch nicht und irgendwie musste man das Bier ja kühlen“, sagt Franz Wetzlmaier. Das leuchtet jedem ein, der sein Bier schon einmal lauwarm hinunterwürgen musste. Auch die Haltbarkeit sinkt drastisch, hat es das Bier zu warm. Recht schad’ wär’s drum!
 
Der Eiskeller ist bei weitem nicht die einzige Vertiefung, die im Laufe der Jahrhunderte in die Sande der Kellergröppe gehackt wurde. Insgesamt 26 größere und kleinere Keller durchziehen das Erdreich, ganz ähnlich den Weinkellern in Niederösterreich. Sie dienten den Raaber Haushalten und den ortsansässigen Brauereien als Lagerkeller, heute werden sie teilweise von Baumschulen zum Überwintern von Pflanzen genutzt. Der 53 Meter tiefe „Schatzlkeller“ – benannt nach einer ehemaligen Brauerei – kann noch heute im Zuge einer Führung besichtigt werden; ebenso wie das kleine Bräustüberlmuseum im Keller des früheren Schatzl-Wirtshauses, das heute das Gemeindeamt beherbergt.  
 
Zurück an der Oberfläche, die Kellergröppe badet im Spätnachmittagslicht. Man steht auf geschichtsträchtigem Boden, trieben doch schon die Römer ihre Rösser und Gespanne durch diesen Hohlweg. Jetzt, wo’s nicht mehr ganz so heiß ist, wär’ ein Bier was Feines und quasi das i-Tüpferl auf soviel Bierhistorie. Leider sind auch die drei Raaber Brauereien, die es zwischen 1588 und 1932 hier gab, längst Geschichte.
 
Doch Franz Wetzlmaier erlöst die dürstende Seele und verrät: Seit gut zwei Jahren brauen die Brüder Reinhard und Wolfgang Schraml wieder Bier – in bester Raaber Tradition und mit ordentlich Kraft unter dem Bügelverschluss. Verkostet werden kann das köstliche Gesöff in Schramls Wirtshaus mitten im Ort. Und da sitzen zu guter Letzt alle und lassen sich die Raaber Biergeschichten noch einmal auf der Zunge zergehen. 
 
 

KELLERGRÖPPE RAAB
Führungen von Mai bis Okt., 2 Std. 
(inkl. Bräustüberlmuseum bzw. Wallfahrtskirche Maria Bründl).
Anmeldung, Info: +43(0)77 62 / 22 55
www.pramtal-museumsstrasse.at



Wie einen Schatz hinter schweren Schlössern und auf Eis gelagert hielten die Raaber Brauereien 
das Bier den Sommer über kühl.