What’s A Woman With A Man,
what’s a Man without a Woman
 


DER Pfiff /  DIE Halbe / DAS Seiterl / DER Doppelbock / DIE Weiße / DAS Pils / DIE Dunkle


Grammatikalisch gesehen: Warum ist „die Weiße“ weiblich? Die Bier? Die Glas? 
Dreht es sich ums Bier, folgen die Geschlechter plötzlich keinen Regeln mehr. 
Das trifft sich gut, so können heute alle ihren Vorlieben nachgehen, wie es ihnen 
zu Gesicht steht – erst recht im Innviertel.

Der Antrunk, das Mundgefühl, der Abgang, die Bittere … Wörter wie diese gehörten bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich zum Vokabular von Braumeistern und Juroren. Der Durchschnitts-User nahm das nicht so genau. „Ein Normales“ oder „ein Weizen“, mehr Auswahl war oft nicht gefragt. Meist blieb man ohnehin bei der Lieblingssorte, die vor der eigenen Tür gebraut wurde. Eine Halbe (man staune: Femininum) musste es sein. Etwas neidvoll blickte mancher über den Inn nach Bayern hinüber, wo ein großes Bier (die Maß: auch weiblich) gelegentlich im Ein-Liter-Gebinde gereicht wird.  
 
Doch mit dem neuen Jahrtausend kamen auch die Frauen, die das Bier insgeheim schon längst für sich entdeckt hatten. Die Marketingstrategen der Brauereien überschlugen sich im Fleiß, die neue Zielgruppe ins Boot zu holen. Die Biere wurden spritziger, leichter (oder stärker), die Gläser kleiner, die Bittere bitterer, die Etiketten edler, die Farbe so golden wie Bernstein oder gar so dunkel wie Kastanien … Und erst der Geschmack: Schokolade, Grapefruit, Banane, Pfirsich. Erstaunlich, was man plötzlich alles schmecken kann. Das Schöne an der Sache: Der Antrieb ist längst nicht mehr das Marketing. Die modernen Trends bestärken die Braumeister in ihrer Kreativität und die Ergebnisse sprechen für sich. Sonst würden Biersommeliers nicht derart ins Schwärmen kommen, wenn vom Innviertler Bier die Rede ist.
 
Heute ist es richtig schick, ein Bier zu trinken, gerne auch einmal zu Fisch oder zum Dessert. So mancher Seitenblicke-Promi muss sich nicht mehr schämen, ein Seiterl dem Riesling vorzuziehen, denn das Bier ist mindestens so hoch dekoriert und wenn es schmeckt, kann es gut sein, dass man eines aus dem Innviertel ausschenkte. 
 
Womit nur noch eine Frage offen bleibt: Warum schreibt man auch nach der letzten Rechtschreib­reform „ausschenken“ immer noch mit e statt mit ä? Das Wort leitet sich doch von der Schank ab und nicht vom Geschenk – oder? Wer weiß. Im Innviertel ist alles möglich.